Mit Gesprächsangebot unterstützen

Die Online-Auftaktveranstaltung der neuen Ringvorlesung "Lehrergesundheit stärken" an der HSD Hochschule Döpfer markierte den Beginn eines akademischen Programms, das speziell für Lehrkräfte konzipiert und von Jessica Stang moderiert wurde.

Unter dem Titel "Psychotherapeutische Unterstützung für Kinder- und Jugendliche" referierte Prof. Dr. Katrin Kliegl, Professorin für Klinische Psychologie und approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit eigener Praxis im Landkreis Schwandorf, über die Herausforderungen psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen sowie die wichtige Rolle von Lehrkräften im Schulkontext. Denn für die Gesundheit von Lehrkräften stellt die Gesundheit ihrer Schüler*innen einen ebenso zentralen Faktor dar: Oft sind es die Probleme der Schüler*innen und die Auswirkungen auf den Klassenverbund, die Lehrende aus der Schule mit nach Hause nehmen und die so zur eigenen Belastung werden können.

Zum Auftakt ihres Vortrags präsentierte Kliegl Ergebnisse aus der BELLA- und COPSY-Studie, die die Prävalenz von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen eindrucksvoll aufzeigten. Besonders alarmierend war, dass etwa jedes zweite Kind Ende 2022 mit psychosomatischen Belastungen zu kämpfen hatte, wobei die Belastungen aufgrund der Corona-Pandemie eine der Hauptursachen für diese hohe Zahl sein dürfte. Kliegl betonte auch, dass u.a. aktuelle Krisen wie der Klimawandel und der Ukrainekrieg als Ursachen oder Verstärker für die Belastung für Kinder und Jugendliche in den Befragungen genannt wurden.

Im weiteren Verlauf des theoretischen Teils ihres Vortrags erklärte die Professorin für klinische Psychologie das Prinzip der multitaxialen Diagnostik und ging auf die Differenzierung zwischen externalisierenden und internalisierenden Störungen ein. Sie verdeutlichte dann im Anschluss, wie psychische Belastungen sich im schulischen Kontext zeigen können, und nannte u.a. Indikatoren wie sozialen Rückzug, Passivität, aggressives Verhalten oder plötzlichen Leistungsabfall.

Die Referentin empfahl den Lehrkräften, mögliche Anzeichen wahrzunehmen und diese je nach Situation über einige Wochen zu beobachten. Wenn die Anzeichen bestehen bleiben oder sich verdichten, sollten die Lehrkräfte, ihre Beobachtungen in einem wertschätzenden 1:1-Gespräch ansprechen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, sollten Lehrkräfte ein Gesprächsangebot unterbreiten. In diesem Zusammenhang verwies sie auf Carl Rogers, der Empathie, Akzeptanz und Kongruenz als wesentliche Orientierungshilfen zur Durchführung von therapeutisch ausgerichteten Gesprächen als zielführend erachtet. Abschließend stellte die HSD-Dozentin verschiedene Beratungs- und Therapieangebote vor, die Lehrkräfte im Rahmen ihres Gesprächs belasteten Kindern und Jugendlichen als nächste Anlaufstelle an die Hand geben können. Kliegl appellierte an die anwesenden Lehrenden: „Sie sind keine ausgebildeten Psychotherapeut*innen, keine Eltern und keine engen Freund*innen Ihrer Schüler*innen – Sie agieren in Ihrer Rolle als Lehrer*innen. Zeigen Sie Interesse, aber versuchen Sie trotzdem, diese Rolle beizubehalten!“

Vor allem eines dürften den Teilnehmer*innen des Vortrags im Gedächtnis bleiben: Nicht alles muss im Rahmen eines Gespräches gesagt werden und nicht jedes Problem erfordert eine Psychotherapie als Intervention. In manchen Fällen genügt auch der Hinweis auf das Sorgen-Telefon oder den Krisen-Chat.

Die nächsten Termine der Ringvorlesung "Lehrergesundheit stärken" unter Leitung von Jessica und Jaqueline Stang sind bereits festgelegt: Am 22. Februar wird das Thema "Körperliche Gesundheit/Ergonomie" behandelt, gefolgt von "Stress und Bewältigung im Lehreralltag" am 21. März. Um Anmeldung wird für die Zusendung der Zugangsdaten gebeten: Ringvorlesung „Lehrergesundheit stärken: Eine Veranstaltung für körperliche und mentale Gesundheit"