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Kultur und Gesundheit: Gedanken zur Jahreswende

03.01.2020

Im Oktober 2019 hat ein Gutachter-Team des Wissenschaftsrates die Hochschule Döpfer besucht, um sich ein Bild zu machen über die anstehende institutionelle Akkreditierung der HSD. Dabei wurde auch das Forschungszentrum befragt über seine Aktivitäten und das weitere Profil der Forschung an der HSD.

Zwei Forschungsprojekte sind den Gutachtern dabei besonders aufgefallen:

„Bildkompetenz in der Kulturellen Bildung“ (BKKB)
und „Ma-ma-Märchenprinz – Kulturelle Bildung in ländlichen Räumen“.

Der Zusammenhang zwischen den beiden genannten Forschungsprojekten und dem Forschungsprofil der HSD im Themenbereich Gesundheit bot Anlass zu Fragen.

Nun, - der Artikel von Daisy Fancourt und Andrew Steptoe im British Medical Journal (BMJ 2019, 367: I3677) war zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienen. Er erläutert sehr schnell und eindrücklich die Verbindung. In der Weihnachtsausgabe des renommierten BMJ wurde anhand der Daten von 6710 repräsentativ ausgewählten englischen über-50-Jährigen, die seit 2004 über einen 14-Jahres-Zeitraum hinweg in der „English Longitudinal Study of Ageing“ untersucht worden waren, deutlich demonstriert, dass zwischen kultureller Aktivität und Gesundheit ein Zusammenhang besteht:

www.bmj.com/content/367/bmj.l6377

Wer auch nur wenige Male im Jahr (1-2mal) sich kulturell betätigt hat, hatte ein um 14% vermindertes Sterberisiko (entlang der alters- und geschlechtsgemäß zu erwartenden Überlebenskurve) in der gesamten Beobachtungsstrecke. Wer sich auf regelmäßiger Basis kulturell betätigt hatte, - also mindestens alle 2-3 Monate oder häufiger, - dessen Sterberisiko war sogar um 31% niedriger!

Wie immer bei epidemiologischen Beobachtungsstudien ist zunächst natürlich Vorsicht geboten vor einer vorschnellen Interpretation dieses Unterschieds als „kausaler Effekt“ von Kultur. Man muss mögliche Alternativerklärungen berücksichtigen. Die Liste der Einflussfaktoren, die im o.e. Unterschied bereits berücksichtigt wurde, ist eindrucksvoll! Der Vorteil von kultureller Betätigung kann nicht weg-erklärt werden durch:

  • Biologische Faktoren wie Alter und Geschlecht, sowie Partnerschaftsstatus (beeinflussen bekanntlich stark die Lebenserwartung)
  • Soziale Faktoren wie Bildungsabschluss, Beschäftigungsart (einfach, mittel, gehoben), Arbeitslosigkeit, Einkommenshöhe (schichtspezifische Kulturgewohnheiten wurden rechnerisch berücksichtigt)
  • Gesundheitsstatus: psychiatrische Erkrankungen (J/N), Sehvermögen, Hörvermögen, Krebserkrankung, Herz-Kreislauf-Erkrankung, kognitive Beeinträchtigung, sonstige langfristige Gesundheitsbeeinträchtigungen, Osteoporose-Erkrankung (allesamt können sie Kunstgenuss und kulturelle Aktivitäten behindern)
  • Eingeschränkte Mobilität (Gehbehinderte können nicht so gut und oft außer Haus)
  • Beeinträchtigungen in Alltagserledigungen (als Merkmal für körperliche Funktionsbeeinträchtigungen, die auch kulturelle Aktivitäten verhindern könnten)
  • Lebensstilfaktoren (Bewegungsmangel, Alkoholkonsum, Raucherstatus als bekannte Risiken für verkürzte Lebenserwartung)
  • Soziale Vernetzung (Anzahl enger Freunde, Alleinlebend, Einsamkeitsmaß, Ausüben eines Hobbys, Häufigkeit von Sozialkontakten in der Nachbarschaft sind allesamt ihrerseits mit höherer Lebenserwartung verknüpft und wurden daher berücksichtigt).

Heißt das nun, man kaufe sich eine Jahreskarte für das Bode-Museum oder das Museum Ludwig, bzw. ein Abonnement für das Gürzenich-Orchester, und ist dann gefeit gegen den Sensenmann für längere Zeit? Nun: So einfach ist das wohl nicht. Die gefundene, stabile Verknüpfung zwischen Kulturaktivität und Lebenserwartung bedarf schon noch einiger Forschung, damit man die kausalen Mechanismen verstehen kann, wie genau Kunstgenuss zur Lebenserwartung beitragen kann.   Mit diesem breiten Verständnis von Gesundheit engagiert sich die HSD mit ihren Forschungsprojekten gemäß ihrem Motto, „über den Tellerrand hinaus“ zu denken, als Vorreiter der Idee, dass Kultur nicht dekorativer Schnickschnack für Besserverdienende ist, sondern entscheidend mit beitragen kann zu einem gelingenden Leben.     

In diesem Sinne wünscht das Forschungszentrum der HSD allen Studierenden und allen Lehrenden, allen Partnern von außerhalb, und allen interessierten Surfern und Surferinnen auf unseren Internetseiten ein gesundes und kulturell anregendes neues Jahr 2020!

Ulrich Frick, Karina Gotthardt, Katrin Rakoczy, Matthias Seitz, Miles Tallon, von den Kulturprojekten