Mit seinem aktuellen Beitrag „Teure Missverständnisse“ in der Juni-Ausgabe der „pt – Zeitschrift für Physiotherapeuten“ rückt Prof. Dr. Alfred Rucker ein Thema in den Mittelpunkt, das für die zukünftige Ausrichtung der Physiotherapie von entscheidender Bedeutung ist: Prehabilitation als verbindendes Konzept zwischen Prävention, Therapie, Rehabilitation und langfristiger Teilhabe.
Vom Reparatursystem zur echten Vorsorge
Rucker kritisiert in seinem Beitrag, dass das deutsche Gesundheitssystem stark auf akute Eingriffe und die Behandlung bereits manifester Erkrankungen fokussiert ist, während kontinuierliche, bewegungsbasierte Präventions- und Trainingskonzepte strukturell unterentwickelt und unterfinanziert bleiben. Dabei zeigen Daten, dass der Großteil der Gesundheitsausgaben auf chronische Erkrankungen entfällt – ausgerechnet in Bereichen, in denen evidenzbasierte physiotherapeutische Interventionen besonders wirksam wären. Aus seiner Sicht führt diese Logik zu „teuren Missverständnissen“: Ein System, das Menschen nicht konsequent zur Selbststeuerung befähigt, verwaltet Abhängigkeit, statt sie zu reduzieren.
„Ein System, das Menschen nicht befähigt, sich selbst zu helfen, produziert genau die Abhängigkeit, die es anschließend teuer verwaltet.“
– Prof. Dr. Alfred Rucker –
Prehabilitation als „Gamechanger“ der Physiotherapie
Im Zentrum des Beitrags steht der Gedanke, Physiotherapie als Schlüsselfaktor für Selbstwirksamkeit und langfristige Gesundheitskompetenz zu verstehen. Rucker beschreibt die Entwicklung von der Therapie unter externer Steuerung hin zu Training und Teilhabe unter Selbstkontrolle („TUS!“) als logischen Pfad moderner Versorgung. Prehabilitation wird dabei nicht nur als Vorbereitung auf Operationen definiert, sondern als übergreifendes Prinzip der funktionellen Ermächtigung vor, während und nach kritischen Gesundheitsereignissen.
Evidenz: Was strukturierte Bewegung bewirken kann
Anhand aktueller Studien verdeutlicht der Beitrag, dass strukturierte, physiotherapeutisch begleitete Trainingsprogramme unter anderem Rehospitalisierungen reduzieren, Funktionsfähigkeit steigern und Pflegebedürftigkeit verzögern können. Rucker plädiert dafür, physiotherapeutische „Prehab-Pfade“ systematisch in die Versorgung zu integrieren und Zugänge weniger strikt an Diagnosen, sondern stärker an individueller Leistungskapazität und Teilhabezielen auszurichten. Damit knüpft der Artikel an seine weiteren Veröffentlichungen zu evidenzbasierter Physiotherapie und moderner Therapiewissenschaft an.
Therapiewissenschaft an der HSD: Forschung, Lehre und Praxis im Verbund
Für die HSD unterstreicht die Publikation einmal mehr, wie eng Forschung, Lehre und Versorgungspraxis verzahnt sind. Studierende der Therapiewissenschaften arbeiten mit den Konzepten, die Prof. Dr. Rucker in seinem Beitrag beschreibt – von Prehab-Pfaden bis hin zu TUS als Prinzip für mehr Selbstkontrolle und Teilhabe im Alltag.
Zur Publikation
Prof. Dr. Alfred Rucker (2026): Teure Missverständnisse. In: pt – Zeitschrift für Physiotherapeuten, Ausgabe Juni 2026, S.41-47.
Hinweis: Der Volltext ist über die pt-Abonnements bzw. Bibliothekszugänge einsehbar.
Zum Studienangebot: Studium: B.Sc. Angewandte Therapiewissenschaften











