
Tag der Physiotherapie: Bewegung in Prävention, Rehabilitation und Gesundheitsversorgung
Am 8. September wird weltweit der World Physiotherapy Day begangen. Der Schwerpunkt im Jahr 2026 liegt auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall sowie auf der Rolle von Physiotherapie und körperlicher Aktivität in Prävention, Management und Rehabilitation.
Damit wird die Breite moderner physiotherapeutischer Versorgung sichtbar: Im Mittelpunkt stehen nicht allein die Behandlung bereits bestehender Einschränkungen, sondern ebenso Prävention, langfristige Gesundheitsförderung und gesellschaftliche Teilhabe.
Warum Bewegung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wichtig ist
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Nach Angaben von World Physiotherapy sind sie für mehr als 20,5 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Körperliche Inaktivität und weitere beeinflussbare Risikofaktoren stellen dabei zentrale Ansatzpunkte für Prävention und Gesundheitsförderung dar.
Physiotherapie beginnt dabei nicht erst nach einem akuten Ereignis. Sie kann Menschen bereits präventiv dabei unterstützen, körperliche Aktivität sicher, individuell und alltagsnah umzusetzen.
Physiotherapie: mehr als die passende Übung
Physiotherapeut*innen begleiten Patient*innen mit kardiovaskulären Erkrankungen, entwickeln angepasste Bewegungs- und Trainingsprogramme und leisten nach einem Schlaganfall einen wichtigen Beitrag dazu, Mobilität, Gleichgewicht, körperliche Funktionen, Selbstständigkeit und Lebensqualität wiederzugewinnen oder zu erhalten.
Erfolgreiche Prävention und Rehabilitation beantworten jedoch nicht allein die Frage: „Was ist die richtige Übung?“ Ebenso relevant sind Fragen wie:
- Wie gelingt langfristige Verhaltensänderung?
- Was motiviert Menschen, körperlich aktiv zu bleiben?
- Wie können Selbstwirksamkeit und Gesundheitskompetenz gestärkt werden?
- Welche sozialen und psychologischen Faktoren beeinflussen Gesundheit?
- Wie lassen sich wissenschaftliche Evidenz, klinische Expertise und die individuellen Bedürfnisse eines Menschen in der Versorgung zusammenführen?
Damit wird deutlich, dass moderne Gesundheitsversorgung neben fachlicher Spezialisierung auch interprofessionelle Zusammenarbeit erfordert.
Wenn Therapie den Alltag erreichen muss
Ob Menschen gesundheitsförderliches Verhalten aufnehmen und langfristig aufrechterhalten, wird nicht ausschließlich durch körperliche Voraussetzungen bestimmt. Auch psychologische, soziale und strukturelle Bedingungen beeinflussen, ob Bewegung dauerhaft im Alltag verankert werden kann.
Dazu gehören beispielsweise individuelle Erfahrungen mit Erkrankung und Belastung, die eigene Einschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit, Unterstützung durch das soziale Umfeld sowie die Frage, ob geeignete Angebote erreichbar und in den Alltag integrierbar sind. Prävention und Rehabilitation müssen diese Bedingungen berücksichtigen, wenn sie langfristig wirksam sein sollen.
Evidenzbasiert entscheiden, individuell begleiten
Die physiotherapeutische Expertise umfasst heute mehr als die fachgerechte Anwendung therapeutischer Techniken. Sie beinhaltet auch die kritische Bewertung wissenschaftlicher Erkenntnisse, die evidenzbasierte Entscheidungsfindung in der Klinik, die systematische Berücksichtigung von Prävention und die angemessene Begleitung von Menschen bei komplexen gesundheitlichen Veränderungen. Für die physiotherapeutische Praxis bedeutet dies, wissenschaftliche Evidenz nicht schematisch anzuwenden. Vielmehr müssen Forschungsergebnisse, klinische Expertise und die individuellen Voraussetzungen, Ziele und Bedürfnisse der jeweiligen Patient*innen miteinander verbunden werden.
Was interprofessionelle Versorgung leisten kann
Das Thema des World Physiotherapy Day 2026 verdeutlicht die Bedeutung interprofessioneller Perspektiven in Prävention und Rehabilitation. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder nach einem Schlaganfall benötigen je nach gesundheitlicher und sozialer Situation Unterstützung durch unterschiedliche Berufsgruppen und Fachdisziplinen.
Eine interprofessionelle Zusammenarbeit kann dazu beitragen, therapeutische, medizinische, psychologische und soziale Perspektiven in Versorgungsprozesse einzubeziehen. Für Physiotherapeut*innen bedeutet dies, die eigene Expertise fundiert zu vertreten und zugleich die Kompetenzen anderer Professionen für eine abgestimmte Versorgung zu nutzen.
Therapiewissenschaft und Gesundheitspsychologie
An der HSD wird dieser Anspruch unter anderem im Bachelorstudiengang Angewandte Therapiewissenschaften aufgegriffen. Das Studium zielt darauf, reflektiert handelnde Therapeut*innen auszubilden, die praktische Expertise mit wissenschaftlichem Denken verbinden. Dazu gehört, Forschungsergebnisse in Versorgungskontexte einzuordnen, kritisch zu beurteilen und für die berufliche Praxis nutzbar zu machen.
Der Masterstudiengang Angewandte Psychologie ergänzt diese Perspektive. Im Schwerpunkt Gesundheitspsychologie werden unter anderem Wechselwirkungen zwischen psychologischen, emotionalen und sozialen Faktoren sowie körperlicher Gesundheit behandelt. Darüber hinaus werden Ansätze der Prävention und Gesundheitsförderung betrachtet.
Gerade bei chronischen Erkrankungen und langfristigen Rehabilitationsprozessen kann diese Verbindung zu einem umfassenderen Verständnis von Gesundheit und Versorgung beitragen. Sie ermöglicht es, körperliche Funktionen, individuelle Ressourcen, motivational-emotionale Aspekte und soziale Rahmenbedingungen gemeinsam in den Blick zu nehmen.
Ein Dank an die physiotherapeutische Profession
Der World Physiotherapy Day ist ein Anlass, um die physiotherapeutische Profession zu würdigen. Wir danken allen Physiotherapeut*innen für ihren täglichen Einsatz in Praxen, Kliniken, Rehabilitationseinrichtungen, Bildungseinrichtungen, in der Forschung und in weiteren Versorgungsbereichen. Sie ermöglichen Menschen mit unterschiedlichen gesundheitlichen Voraussetzungen Bewegung, Selbstständigkeit und Teilhabe.
Der World Physiotherapy Day 2026 macht sichtbar, welchen Beitrag Physiotherapie in Prävention, Rehabilitation und Gesundheitsförderung leisten kann. Zugleich unterstreicht er die Bedeutung wissenschaftlicher und interprofessioneller Perspektiven für die Weiterentwicklung der Profession.
Auf den Studiengangwebsites finden Sie mehr Informationen zum Bachelorstudiengang B.Sc. Angewandte Therapiewissenschaften und zum Masterstudiengang M.Sc. Angewandte Psychologie mit Schwerpunkt.


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