Sterben im Heim & Qualität in der NotSan-Ausbildung – Abschluss der rettungswissenschaftlichen Ringvorlesung 2025

Mit einem doppelt besetzten Themenabend endete vergangene Woche die Ringvorlesung der Rettungswissenschaften. Im Fokus standen einerseits ethische und praktische Fragen rund um die Versorgung sterbender Pflegeheimbewohnender, andererseits neue Erkenntnisse zur Qualitätssicherung in der praktischen Notfallsanitäter*innen-Ausbildung. Die Moderation übernahm Prof. Thomas Hofmann.

Unter dem Titel „Warum gehören Sterbende nach den Vorstellungen eines guten Sterbens nicht ins Krankenhaus?“ präsentierte Manfred Kunkel zentrale Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Untersuchung. Er zeigte auf, wie häufig Akutsituationen bei hochbetagten, multimorbiden Heimbewohnenden vorschnell als Notfälle interpretiert werden – obwohl es sich oftmals um erwartbare Symptomkrisen in der Terminalphase bzw. Finalphase handelt.

Kunkel erläuterte, dass kurativmedizinische Perspektiven im Rettungsdienst dazu beitragen können, Sterbende fälschlicherweise in die Krankenrolle zu drängen. Für ein gelingendes Sterben seien jedoch andere Faktoren entscheidend: Symptomlinderung, Fürsorge, Zeit und ein vertrautes Umfeld. Anhand der Clinical Frailty Scale verdeutlichte er, wie sich die Nähe zum Lebensende einschätzen lässt und wie dieses Instrument helfen kann, unangemessene Krankenhauszuweisungen zu vermeiden. In der Diskussion wurde die Bedeutung frühzeitiger Gespräche über Behandlungsziele und die Rolle des Rettungsdienstes in palliativen Situationen intensiv beleuchtet.

Im zweiten Vortrag stellte Kevin Stiller Ergebnisse seiner Bachelorarbeit zu Qualitätskriterien der praktischen NotSan-Ausbildung vor. Ausgangspunkt war die Frage, wie Lehrrettungswachen ihre Ausbildungsqualität messbar gestalten können. Stiller präsentierte einen systematischen Entwicklungsprozess, der über ein mehrstufiges Delphi-Verfahren zu einer ersten Sammlung relevanter Indikatoren führte. Dabei wurden über 1.000 eingereichte Kriterien aus Praxis, Ausbildung und Qualitätsmanagement verdichtet und bewertet. Die resultierenden Indikatoren – von Infrastruktur über Betreuungsschlüssel bis hin zu Lernprozessgestaltung – können perspektivisch als Grundlage für qualitätssichernde Standards dienen. Stiller betonte, dass Transparenz, strukturierte Lerngelegenheiten und professionelle Praxisanleitung zentrale Elemente einer hochwertigen Ausbildung darstellen.

In der abschließenden Fragerunde diskutierten beide Referenten mit dem Publikum über ethische Entscheidungsprozesse, Herausforderungen in der praktischen Ausbildung und notwendige Entwicklungen im Rettungsdienst.

Mit dieser Veranstaltung endete die Ringvorlesung Rettungswissenschaften für das Jahr 2025. Wir bedanken uns herzlich bei allen Referierenden und Teilnehmenden für ihr großes Engagement und die lebendigen Diskussionen über das gesamte Jahr hinweg.

Eine Fortsetzung der Ringvorlesung im Jahr 2026 ist bereits in Planung. Die konkreten Termine und Themen werden zeitnah bekanntgegeben. Gerne dürfen Sie sich bei uns unter event@hs-doepfer.de in den Einladungsverteiler eintragen lassen.

Weitere Informationen zum Studiengang Rettungswissenschaften B.Sc. an der HSD Hochschule Döpfer finden Sie auf unserer Website.

Referent Kevin Stiller.

Referent Manfred Kunkel.