
Soziale Dorfentwicklung: Handreichung bündelt Erfahrungen aus dem Projekt OKOM
Wie können öffentliche Gebäude, die zeitweise ungenutzt bleiben, zu Orten für Begegnung, Austausch und gemeinschaftliche Aktivitäten werden? Mit dieser Frage befasste sich das Verbundprojekt „OKOM – Orte für Kinder als Orte für Menschen“, das die HSD gemeinsam mit dem Stadtjugendring Geislingen e. V. (SJR) vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. April 2026 durchführte. Die Ergebnisse liegen nun als Handreichung zur sozialen Dorfentwicklung vor.
„Soziale Dorfentwicklung beginnt mit einem genauen Blick auf den Alltag der Menschen vor Ort – und mit der Bereitschaft, ihre Erfahrungen und Vorstellungen ernst zu nehmen“, erläutert Prof. Dr. Andreas Eylert-Schwarz, Professor für Soziale Arbeit und Dekan an der HSD sowie Leiter des Forschungsprojekts. Am Beispiel von Geislingen an der Steige untersuchte das Projekt, wie Schulen, Gemeindehäuser und andere öffentliche Gebäude auch außerhalb ihrer regulären Nutzungszeiten als soziale Treffpunkte genutzt werden können. Beteiligt waren unter anderem Holger Schrag, Projektverantwortlicher beim Stadtjugendrings Geislingen e. V., sowie Sabrina Kraus, Projektmitarbeiterin der HSD. Grundlage der Untersuchung bildeten sozialräumliche Analysen, Gespräche und – teilweise K.I.-gestützte - Beteiligungsformate mit Menschen vor Ort.
Räume gemeinsam nutzen
Im Mittelpunkt von OKOM stand die Frage, wie eine bestehende Infrastruktur für Begegnung, Austausch und gemeinschaftliche Aktivitäten geöffnet werden kann. Öffentliche Gebäude wie Schulen, Kitas oder Gemeindehäuser stehen häufig zu bestimmten Zeiten leer, verfügen jedoch bereits über Räume und eine grundlegende Ausstattung. Gemeinsam mit Bewohner*innen wurden deshalb Ansätze entwickelt, um solche Orte für Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Lebenslagen zugänglich zu machen.
Die Handreichung „Soziale Dorfentwicklung: Methoden aus der Praxis, um soziale Dorfentwicklung zu stärken“ richtet sich an Akteur*innen aus Kommunen, Projekten und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Sie verbindet fachliche Grundlagen mit konkreten Arbeitshilfen – von Sozialraumanalysen und teilstrukturierten Interviews über Stadtteilbegehungen bis hin zu Kooperationsvereinbarungen, Aktionsplänen und Hinweisen zur Vereinsgründung.
Beteiligung erfassen
Ein Schwerpunkt liegt auf Methoden, die Menschen in die Gestaltung ihres Umfelds einbeziehen. Neben klassischen Erhebungswegen wie Interviews und Beobachtungen erprobte das Projekt auch eine Kommunikations- und Dialogwand im öffentlichen Raum sowie digitale Stadtrallyes. Diese laden dazu ein, Orte im eigenen Umfeld zu erkunden, Einschätzungen festzuhalten und Wünsche für die weitere Entwicklung einzubringen.
Die Handreichung nimmt zudem KI-gestützte Bildgenerierung als Methode in Beteiligungsprozessen in den Blick. Auf Grundlage von Gesprächen und persönlichen Angaben können Bildbeschreibungen entstehen, die Wünsche und Bedarfe anschaulich machen. Die Bilder ersetzen keine Gespräche oder Entscheidungen, können aber einen gemeinsamen Gesprächsanlass schaffen und Perspektiven sichtbar machen – auch für Menschen, die sich über längere Texte oder formale Beteiligungsformate weniger leicht einbringen.
Zusammenarbeit vereinbaren
Ein weiterer Schwerpunkt der Handreichung sind Kooperationen. Sie zeigt, wie gemeinsame Ziele, Zuständigkeiten und verfügbare Ressourcen frühzeitig geklärt werden können. Dafür enthält sie unter anderem Checklisten zur Auswahl von Kooperationspartner*innen, einen Ressourcenkreis zur Sichtbarmachung vorhandener Kompetenzen sowie Vorlagen für Aktionspläne und die Planung nächster Schritte.
Auch die Verstetigung von Projektergebnissen wird aufgegriffen. Das Kapitel zur Vereinsgründung erläutert, welche organisatorischen und rechtlichen Fragen zu berücksichtigen sind, wenn aus einer Initiative eine dauerhaft tragfähige Struktur entstehen soll. Ergänzend enthält die Handreichung Hinweise zu Haftung, Versicherung, Aufsichtspflicht und zur Überlassung von Räumen.
Wissen weitergeben
Für die Forschungsgemeinschaft macht die Handreichung die im Projekt verbundenen sozialräumlichen und partizipativen Erhebungsansätze nachvollziehbar und für weitere Untersuchungen sowie Praxisprojekte im ländlichen Raum nutzbar.
Mit seinen Themen knüpft OKOM an den HSD-Studiengang B.A. Soziale Arbeit an, in dem Studierende auf vielfältige Handlungsfelder der Sozialen Arbeit vorbereitet werden.
Kostenfreie, digitale Handreichung: Link zum Download
Über B.A. Soziale Arbeit an der HSD: B.A. Soziale Arbeit studieren | HSD Hochschule Döpfer


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