Solidarität als Ankerpunkt: HSD auf der 85. Jahrestagung der Gilde Soziale Arbeit

Vom 14. bis 16. Mai 2026 nahmen Mitglieder der HSD an der 85. Jahrestagung der Gilde Soziale Arbeit unter dem Motto „Einfach Weiter Machen? Solidarität als Ankerpunkt“ im Haus Neuland in Bielefeld-Sennestadt teil. Im Zentrum stand die Frage, was es angesichts als zum Teil erschütternd empfundener (welt-)gesellschaftlicher Entwicklungen heißt, in der Sozialen Arbeit, im persönlichen Leben und in der Zivilgesellschaft „weiterzumachen“ – ohne in ein unkritisches „einfach so weitermachen wie bisher“ zu geraten.

Perspektiven aus Lehre, Studium und Praxis

Für die HSD nahmen Prof. Dr. Andreas Eylert-Schwarz (Dekan des Fachbereichs Psychologie, Pädagogik und Soziales sowie Mitglied des Gildeamtes der Gilde Soziale Arbeit), Prof. Dr. Andrea Gergen (Professorin für Handlungsmethoden, Wissenstransfer und Praxisforschung in der Sozialen Arbeit), Mia Engl (B.A. Soziale Arbeit und Master Angewandte Psychologie) und Soziale Arbeit-Alumnus Daniel Kopperschmidt (Preisträger studentisches Engagement 2025) teil. Sie brachten Perspektiven aus Lehre, Studium und Praxis ein und knüpften Kontakte zu Fachkolleg*innen. „Besonders eindrücklich war, wie ernsthaft und zugleich ermutigend diskutiert wurde, was Solidarität heute konkret bedeuten kann – weit über den eigenen Nahbereich hinaus.“

Die HSD war im Tagungsprogramm mit zwei Beiträgen vertreten: In der Open Mic Session „Solidarität und Studium“ begleitete Prof. Dr. Andreas Eylert-Schwarz den Austausch über Erfahrungen und Perspektiven aus dem Studium der Sozialen Arbeit. In der Werkstatt „Solidarität im Miteinander: Werkstatt zur gemeinsamen Entwicklung solidarischer Praxen“ arbeiteten Mia Engl und Prof. Dr. Andreas Eylert-Schwarz gemeinsam mit den Teilnehmenden an Fragen solidarischen Handelns im Alltag und in professionellen Kontexten. Beide Formate boten einen niedrigschwelligen Rahmen, um konkrete Erfahrungen zu teilen, Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen und Ideen für solidarische Praxen weiterzuentwickeln.

Die Frage nach Solidarität

Zu Beginn der Tagung stand die Definition von Solidarität im Mittelpunkt. Statt einführender Vorträge galt es hier, miteinander ins Gespräch zu kommen über die Möglichkeiten und Grenzen solidarischen Handelns. Der Austausch über Alters-, Status-, Professions- und sonstige Grenzen hinweg zog sich dann durch das gesamte Tagungsprogramm. Solidarität auch im Tagungskontext, Powersharing „am Mikrofon“, Sichtbarkeit für Vielfalt schaffen und gegenseitige „Awareness“, also Bewusstsein für vielfältige Bedürfnisse und individuelle Grenzen, sollten das Tagungsthema auch in die konkrete Gestaltung einfließen lassen.

Der Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge griff die Frage nach Solidarität in seinem Abendvortrag am Beispiel des Umgangs mit Reichtum auf. Er verstand Solidarität als „Verantwortlichkeit gegenüber einer Gruppe, die nicht im Nahbereich liegt“ und befasste sich mit wachsender sozialer Ungleichheit, Niedriglohnsektor und aktuellen Debatten um den Sozialstaat. Mit seiner Forderung nach einer Verdoppelung des Mindestlohns sorgte er für kontroverse Diskussionen darüber, ob es über Einzelmaßnahmen hinaus einer grundlegenden Veränderung unseres Wirtschaftssystems bedarf. Besonders überraschend war für die HSD-Teilnehmenden, wie deutlich die Spannungen zwischen notwendigem „Weitermachen-Können“ und der Gefahr von Abstumpfung und Wegschauen benannt wurden.

Wie bleibt Soziale Arbeit handlungsfähig?

Prägend waren auch die traditionellen täglichen „literarischen Momente“, in denen wiederholt auf die „Känguru-Rebellion“ von Marc-Uwe Kling Bezug genommen wurde. Anhand eines Auszugs aus seinem aktuellen Buch wurde diskutiert, was es bedeutet, gegen „die Zustände“ zu rebellieren und wie Soziale Arbeit unter den Vorzeichen aktueller politischer Entwicklungen handlungsfähig bleibt. Die Tagung lotete Solidarität als berufsethischen Ankerpunkt aus und setzte einen Prozess der kritischen Selbstbefragung fort: Wie spiegeln sich problematische gesellschaftliche Dynamiken im Handeln von Akteur*innen der Sozialen Arbeit – und wo braucht es Veränderungen? Die HSD-Repräsentant*innen nehmen daraus konkrete Impulse für Lehrveranstaltungen, Praxisprojekte und die Weiterentwicklung professioneller Haltungen mit.

Abgerundet wurde die Tagung durch abendliche Zusammenkünfte am Kamin, einen spontanen Fernsehabend zum ESC-Vorentscheid und Bewegungsangebote wie Lindy Hop, die großen Zuspruch fanden. In dieser Mischung aus konzentrierter fachlicher Arbeit und informellen Begegnungen zeigte sich, wie Solidarität auch in geteilten Räumen, Gesprächen und gemeinsamen Aktivitäten lebendig wird – ein Erfahrungshorizont, der für die Teilnehmenden der HSD über die Tagung hinaus nachwirkt.

Auf der Studiengangwebsite erfahren Sie mehr Informationen zum Bachelorstudiengang Soziale Arbeit an der HSD.

Mia Engl und Prof. Dr. Andreas Eylert-Schwarz ​bei der Workshopmoderation​. Foto Christoph Gottmann

​Anu Radha Aldenhoff gibt Impulse zum Thema "Solidarität".

​Yasmine Chehata spricht zum Thema Powersharing.

​Prof. i.R. Dr. Christoph Butterwegge.

​Gildeamtssprecherin Prof. Dr. Susanne Maurer.