Rollenwechsel im Rettungsdienst – Herausforderungen in der Notfallsanitäter*innen-Ausbildung

Welche Herausforderungen ergeben sich für berufserfahrene Rettungssanitäter*innen beim Übergang in die Notfallsanitäter*innen-Ausbildung – und warum wird dieser Schritt häufig unterschätzt? Dieser Frage widmete sich M.A. Ralf Schmitz im Rahmen der Ringvorlesung „Wissen rettet Leben. Wir retten Leben“. In seinem Online-Vortrag stellte er die Ergebnisse seiner Masterarbeit vor und zeigte, dass der Übergang weniger ein rein fachlicher Fortschritt als vielmehr ein grundlegender Rollen- und Identitätswechsel ist.

Im Zentrum standen die Rollenkonflikte, die viele berufserfahrene Rettungssanitäter*innen im Zuge der Ausbildung erleben. Einerseits werden sie im Team weiterhin als kompetente und erfahrene Kolleginnen wahrgenommen, andererseits befinden sie sich in der Rolle von Schüler*innen mit entsprechenden Anforderungen und Erwartungen. Dieser Perspektivwechsel führt nicht selten zu einem Verlust von Handlungssicherheit, Status und sozialer Zugehörigkeit – ein Spannungsfeld, das von vielen Betroffenen als besonders herausfordernd beschrieben wird.

Die zugrunde liegende Untersuchung basierte auf qualitativen Fokusgruppeninterviews mit ehemaligen Schüler*innen, die bereits im Rettungsdienst tätig sind, sowie mit Fachkräften aus der Ausbildung. Dabei wurde deutlich, dass die Ausbildung zum Rettungssanitäter bzw. zur Rettungssanitäterin und die Notfallsanitäter*innen-Ausbildung unterschiedlichen Entwicklungslogiken folgen und nicht als linearer Karrierepfad verstanden werden können. Vielmehr erfordert der Übergang eine bewusste Neuausrichtung der eigenen Rolle sowie eine aktive Auseinandersetzung mit der beruflichen Identität.

Neben individuellen Erfahrungen wurden auch strukturelle Rahmenbedingungen thematisiert. Erwartungen innerhalb der Teams, das bestehende Arbeitsumfeld sowie die konkrete Gestaltung der Ausbildung beeinflussen maßgeblich, wie gut der Rollenwechsel gelingt. Ralf Schmitz betonte, dass insbesondere Praxisanleitende und Lehrende diesen Prozess aktiv begleiten sollten, indem sie die spezifischen Unsicherheiten und Ambiguitäten der Schüler*innen gezielt aufgreifen.

Zum Abschluss wurde deutlich: Eine gelingende NotSan-Ausbildung für berufserfahrene Rettungssanitäter*innen erfordert nicht nur fachliche Qualifizierung, sondern vor allem eine bewusste Unterstützung im Prozess der Rollenfindung und Identitätsentwicklung.

Die nächste Veranstaltung der Ringvorlesung Rettungswissenschaften findet am 27. Mai 2026 um 15:30 Uhr statt. Dann spricht Jochen Hanisch im Rahmen eines kostenlosen Online-Vortrags über die Wahrnehmung von männlichen und weiblichen Schüler*innen im Umgang mit pädiatrischen Patientinnen.

Mehr Informationen zum Studiengang Rettungswissenschaften B.Sc. an der HSD Hochschule Döpfer finden Sie auf der Website.

Dozent Ralf Schmitz