Mia Engl, Master-Studentin der Angewandten Psychologie und Absolventin der Sozialen Arbeit, ist mit einem Fachbeitrag in der neuen Ausgabe des Gilde Rundbriefs der Gilde Soziale Arbeit vertreten. Ihr Text trägt den Titel „Von der Verletzlichkeit zum gesellschaftlichen Mitgefühl“ und setzt sich mit grundlegenden Fragen einer menschenrechtsorientierten Sozialen Arbeit auseinander.
In ihrem Beitrag verbindet sie ethische, sozialphilosophische und professionspolitische Perspektiven miteinander. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Verletzlichkeit eine Grundfigur menschlicher Existenz ist und daher nicht als Schwäche, sondern als gesellschaftlich relevante Kategorie verstanden werden sollte. „An ihr entscheidet sich, wie ernst wir Menschenrechte, Teilhabe und Mitgefühl tatsächlich nehmen“, erklärt sie. Darauf aufbauend zeigt die Alumna, wie Soziale Arbeit insbesondere im klinischen Kontext zu einem Resonanzraum werden kann, in dem Verwundbarkeit anerkannt und in kollektive Handlungsfähigkeit übersetzt wird.
Mia Engl hat in ihrem Arbeitsalltag immer wieder erlebt, wie schnell Menschen aus dem Blick geraten – gerade dort, wo ihre Rechte und ihre Würde eigentlich am stärksten geschützt sein müssten. Sie sagt: „In der klinischen Sozialarbeit wurde für mich besonders deutlich, dass es nicht nur um die Bewältigung einzelner Krisen geht, sondern um die grundsätzliche Frage, ob Menschen überhaupt als Träger*innen von Rechten, Bedürfnissen und Hoffnungen wahrgenommen werden."
Der Beitrag diskutiert auch die Rolle von Organisationen, Fachkräften und sozialpolitischen Rahmenbedingungen bei der Förderung von Beziehungen, Teilhabe und Mitgefühl. Die Autorin betont: „Die Auseinandersetzung mit sozialphilosophischen und menschenrechtlichen Perspektiven – unter anderem bei Hannah Arendt – hat mich darin bestärkt, Verletzlichkeit auch politisch zu lesen. Als etwas, das wesentlich durch Strukturen, Institutionen und Fragen der Verteilungsgerechtigkeit geprägt ist.“ Wenn Menschen aus Versorgungsstrukturen herausfallen, ihre Erfahrungen in Organisationen nicht anschlussfähig sind oder Fachkräfte unter chronischer Überlastung selbst an die Grenzen ihrer eigenen Verletzlichkeit geraten, zeigt sich laut Engl, dass es nicht ausreicht, individuelle „Resilienz“ einzufordern.
Mia Engl verbindet diese theoretische Perspektive mit praxisnahen Überlegungen zu Beratung, Klinik, Jugendhilfe und Gemeinwesenarbeit. Damit leistet die Publikation einen fundierten Beitrag zu aktuellen Debatten über Sorge, Gerechtigkeit und Menschenrechte in der Sozialen Arbeit. Für sie selbst ist die Publikation ein Versuch, „diese theoretischen Perspektiven mit der Praxis der Klinischen Sozialarbeit zu verbinden und Soziale Arbeit als Resonanzraum zu denken, in dem Verletzlichkeit wahrgenommen, geteilt und in Würde, Anerkennung und gemeinsame Handlungsfähigkeit übersetzt wird – für Adressat*innen ebenso wie für Fachkräfte."
Mia Engl ist Mitglied der Gilde Soziale Arbeit und engagiert sich ehrenamtlich unter anderem in Jugend-, Erwachsenen- und Integrationsprojekten. Ihr fachlicher Schwerpunkt liegt an der Schnittstelle von praktischer Sozialarbeit, wissenschaftlicher Reflexion, Palliativkultur und gesellschaftlicher Transformation.
Zur Publikation: Gilde Rundbrief der Sozialen Arbeit
https://slub.qucosa.de/api/qucosa%3A87905/attachment/ATT-0/?L=1 (kostenfreier Download, S. 11-19)
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