
Palliativmedizinische Versorgung: Den Menschen ganzheitlich begleiten
Palliativmedizin zwischen Symptomkontrolle und menschlicher Begleitung
Im Rahmen der rettungswissenschaftlichen Ringvorlesung „Wissen rettet Leben“ widmete sich Prof. Dr. Fabian Ludwig der palliativmedizinischen Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen. Anhand praxisnaher Fallbeispiele vermittelte er Grundlagen der Palliativmedizin und zeigte, dass eine gute Versorgung weit über die Behandlung einzelner körperlicher Beschwerden hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die individuellen Bedürfnisse der Patient*innen, die Begleitung ihrer Angehörigen und ein einfühlsamer Umgang mit schwierigen Entscheidungen.
Prof. Dr. Fabian Ludwig ist Professor für Innere Medizin und Allgemeinmedizin an der HSD Hochschule Döpfer und lehrt vornehmlich im Studiengang Physician Assistance. Nach seinem Medizinstudium an der Universität Rostock absolvierte er die Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universitätsmedizin Greifswald. Die Verbindung von medizinischer Behandlung und menschlicher Begleitung brachte er im Vortrag auf den Punkt:
„Die Symptomkontrolle lindert das körperliche Leiden – ein gutes Gespräch tut der Seele gut. Beides zusammen macht die Palliativmedizin zu einer Medizin, die nicht nur Krankheiten behandelt, sondern den Menschen begleitet.“
Symptome lindern und Lebensqualität erhalten
Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Symptomkontrolle. Gerade in fortgeschrittenen Krankheitsstadien können Schmerzen, Luftnot, Übelkeit, Unruhe oder andere belastende Beschwerden die Lebensqualität erheblich einschränken. Eine individuell abgestimmte Behandlung zielt deshalb darauf ab, solche Symptome möglichst wirksam zu lindern und den Patient*innen Sicherheit und Lebensqualität zu geben.
Anhand der Fallbeispiele wurde deutlich, dass palliativmedizinische Versorgung stets die individuelle Situation berücksichtigen muss. Nicht jede medizinisch mögliche Maßnahme ist in jeder Phase einer Erkrankung automatisch sinnvoll. Vielmehr gilt es, gemeinsam abzuwägen, welche Behandlung den Bedürfnissen, Wünschen und Zielen der betroffenen Person entspricht. Gerade in Situationen, in denen Heilung nicht mehr im Vordergrund steht, verändert sich damit auch der Blick auf den Behandlungserfolg: Entscheidend werden Lebensqualität, Beschwerdelinderung und das persönliche Wohlbefinden.
Kommunikation als wesentlicher Bestandteil der Versorgung
Neben der medizinischen Symptomkontrolle rückte Prof. Dr. Ludwig die Kommunikation mit Patient*innen und Angehörigen in den Mittelpunkt. Gespräche über die weitere Behandlung, persönliche Wünsche oder Grenzen medizinischer Maßnahmen können für alle Beteiligten herausfordernd sein. Umso wichtiger sind eine verständliche Kommunikation, ausreichend Zeit und ein respektvoller Umgang mit den Vorstellungen der Betroffenen.
Palliativmedizin bedeutet deshalb nicht nur, körperliches Leiden zu behandeln. Sie berücksichtigt ebenso psychische, soziale und persönliche Bedürfnisse und nimmt auch Angehörige als wichtigen Teil der Versorgung in den Blick. Besonders die Kombination aus fachlicher Sicherheit und empathischer Gesprächsführung ermöglicht es, schwierige Situationen gemeinsam zu tragen und Entscheidungen nachvollziehbar zu gestalten.
Schwierige Entscheidungen gemeinsam gestalten
Gerade am Lebensende können Situationen entstehen, in denen unterschiedliche medizinische Möglichkeiten gegeneinander abgewogen werden müssen. Dabei stehen nicht allein Diagnosen oder einzelne Messwerte im Vordergrund, sondern die Frage, welche Versorgung für die jeweilige Person in ihrer konkreten Situation angemessen ist.
Der Vortrag vermittelte den Teilnehmenden damit einen praxisnahen Blick auf Palliativmedizin als ganzheitlichen Versorgungsansatz. Als zentrale Erkenntnis blieb, dass eine qualitativ hochwertige palliative Versorgung medizinisches Wissen und Symptomkontrolle ebenso benötigt wie Empathie, Kommunikation und die Bereitschaft, individuelle Wünsche konsequent in Entscheidungen einzubeziehen.
Nächster Vortrag am 23. September über „Clinical Governence“
Unter dem Thema “Clinical Governance im Rettungsdienst” beleuchten Sebastian Rösch und Marie Leistikow die Umsetzung im Rettungsdienst Kreis Nordfriesland. Anschließend gibt Sascha Steingrobe, B.Sc. GradDip CritCare, Einblicke in Clinical-Governance-Systeme australischer Ambulance Services.
Hier geht es zur Anmeldung für den Vortrag “Clinical Governance im Rettunsgdienst”.
Hier finden Sie das Gesamtprogramm der Ringvorlesung Rettungswissenschaften 2026.


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