
Neue Publikation von Prof. Dr. Altenbuchner: Geschlechtersensible Medizin strukturell denken und vermitteln
Prof. Dr. Amelie Altenbuchner, Professorin für Pädagogik an der HSD, hat in der Ausgabe 3/2026 der Fachzeitschrift Dr. med. Mabuse einen Beitrag zur geschlechtersensiblen medizinpädagogischen Lehre veröffentlicht. Unter dem Titel „Soziologische Vorstellungskraft in der medizinpädagogischen Lehre. Geschlechtersensibilität durch Strukturanalyse erwerben“ zeigt sie, wie angehende Lehrkräfte darin unterstützt werden können, vermeintlich individuelle gesundheitliche Belastungen und Entscheidungen auch als Ausdruck gesellschaftlicher Strukturen zu erkennen.
Die soziologische Brille aufsetzen
„Geschlechtersensible Medizin verlangt die Fähigkeit, strukturelle Bedingungen von Krankheit, Versorgung und Erleben zu erkennen“, schreibt Amelie Altenbuchner. In ihrem Beitrag plädiert sie dafür, angehende Lehrkräfte der Gesundheitsfachberufe darin zu unterstützen, gesundheitliche Fragen aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Ausgehend von den medizinischen, individuellen und gesellschaftlichen Bezugssystemen von Gesundheit und Krankheit richtet der Beitrag den Blick besonders auf die gesellschaftliche Ebene. Es geht nicht darum, biologische und medizinische Erkenntnisse auszublenden, sondern darum, zusätzlich zu fragen, wie Versorgungsstrukturen, institutionelle Routinen, Zuschreibungen und kulturelle Erwartungen gesundheitliche Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten prägen.
Reproduktionsmedizin als Lehrbeispiel
Als Beispiele wählt Altenbuchner den Schwangerschaftsabbruch und die künstliche Befruchtung. Beide werden häufig vor allem als persönliche, medizinische oder psychologische Themen betrachtet. Der Beitrag macht dagegen sichtbar, dass Entscheidungen, Belastungen und Handlungsmöglichkeiten auch durch gesellschaftliche Bedingungen geprägt werden – etwa durch regionale Versorgungsstrukturen, rechtliche Regelungen, finanzielle Voraussetzungen, die Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit oder gesellschaftliche Vorstellungen von Mutterschaft. Die strukturanalytische Betrachtung zeigt, wie gesellschaftlich bedingte Probleme individualisiert werden können und weshalb persönliche Entscheidungen nicht losgelöst von ihren gesellschaftlichen Voraussetzungen verstanden werden sollten.
Die soziologische Brille schärfen
Ein zentraler Gedanke des Beitrags liegt in der Verbindung geschlechtersensibler Medizin mit einer strukturanalytischen Perspektive. Altenbuchner greift dafür die „soziologische Vorstellungskraft“ des US-amerikanischen Soziologen C. Wright Mills auf und verbindet sie mit dem Modell der drei Bezugssysteme von Gesundheit und Krankheit nach Faller. Angehende Lehrkräfte lernen dadurch, gesundheitliche Fragestellungen nicht nur danach zu beurteilen, was medizinisch indiziert ist oder wie Betroffene ihre Situation erleben. Sie fragen darüber hinaus, welche gesellschaftlichen Bedingungen Versorgung und individuelle Handlungsmöglichkeiten eröffnen oder begrenzen.
Impuls für Lehre und Forschung
Für die Lehre in Medizin und Gesundheitsfachberufen bietet der Beitrag eine didaktische Orientierung, um Erkenntnisse zu Geschlecht, Versorgung und Strukturanalyse systematisch einzubeziehen.
Prof. Dr. Amelie Altenbuchner ist Professorin für Pädagogik an der HSD.
Als Erziehungswissenschaftlerin lehrt und forscht sie unter anderem zur medizinpädagogischen Lehre und zur Professionalisierung angehender Lehrkräfte für Gesundheitsberufe.
Publikationsangabe: Altenbuchner, Amelie (2026): Soziologische Vorstellungskraft in der medizinpädagogischen Lehre. Geschlechtersensibilität durch Strukturanalyse erwerben. In: Dr. med. Mabuse, Ausgabe 3/2026, S. 60–64. DOI: 10.3936/dmm211666920_131
Pädagogik an der HSD
Bachelor: B.A. Medizinpädagogik studieren | HSD Hochschule Döpfer
Master: M.A. Medizinpädagogik berufsbegleitend | HSD


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