Künstliche Intelligenz trifft Einsatzplanung – Neue Impulse für die Rettungswissenschaften

Wie kann Künstliche Intelligenz Prozesse in Leitstellen und Rettungsdiensten verbessern? In einem spannenden Online-Vortrag gab Dr.-Ing. Melanie Reuter-Oppermann praxisnahe Einblicke in aktuelle Forschung, reale Anwendungsszenarien und zukünftige Potenziale von KI und datenbasierten Entscheidungsunterstützungssystemen.

Zum Ende des Sommersemesters fand im Rahmen der Vortragsreihe „Wissen rettet Leben. Wir retten Leben.“ ein informativer Online-Vortrag mit Dr.-Ing. Melanie Reuter-Oppermann statt. Unter dem Titel „KI- und datenbasierte Unterstützung von Prozessen und Entscheidungen in Rettungsdienst und Leitstelle“ beleuchtete sie die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI), Simulation und mathematischer Modellierung in der modernen Notfallversorgung.

Ein besonderer Fokus lag auf datengetriebenen Systemen, die Leitstellen und Rettungsdienste in Echtzeit bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Reuter-Oppermann betonte, dass solche Systeme keinesfalls menschliches Urteilsvermögen ersetzen sollen – vielmehr ginge es darum, die steigende Komplexität im Rettungswesen mithilfe intelligenter Technologien handhabbarer zu machen.

Ein Beispiel: Sprachmodelle wie Whisper ermöglichen die automatische Transkription und Analyse von Notrufen, wodurch potenzielle Schlaganfall-Verdachtsfälle schneller erkannt und passende Ressourcen gezielter zugewiesen werden können. Zusätzlich zeigte sie die Möglichkeiten, die sich durch mathematische Optimierungsmodelle bieten – etwa bei der dynamischen Standortverteilung von Rettungsmitteln, der Dienstplanung oder der Simulation von Szenarien mit erhöhtem Einsatzaufkommen. Auch das Thema Fairness wurde thematisiert: Reuter-Oppermann stellte Modelle vor, mit denen sich beispielsweise Krankentransporte fairer zwischen Standorten verteilen lassen, um Versorgungslücken zu vermeiden.

Ein weiterer Einblick galt dem Umgang mit Unsicherheit: Vorgestellt wurden Methoden, mit denen sich unvollständige oder unscharfe Daten – etwa zur Verkehrslage oder zur Verfügbarkeit von Notärzt*innen – intelligent berücksichtigen lassen. Ziel solcher Ansätze ist es, möglichst robuste und realistische Einsatzentscheidungen zu ermöglichen.

Zum Abschluss wurde deutlich: KI kann im Rettungsdienst eine wertvolle Unterstützung sein, wenn Technik und Praxis eng verzahnt, Nutzerbedarfe früh einbezogen und ethische Fragen konsequent mitgedacht werden.

Die nächste Veranstaltung der Ringvorlesung Rettungswissenschaften findet am 24. September 2025 um 15:30 Uhr statt. Dann spricht Prof. Dr. Olaf Weichert im Rahmen eines kostenlosen Online-Vortrags über Simulationsbasiertes Lernen – Erfahrungen aus der NotSan-Ausbildung.
Mehr Informationen zum Studiengang Rettungswissenschaften B.Sc. an der HSD Hochschule Döpfer finden Sie auf der Website.

Dr.-Ing. Melanie Reuter-Oppermann