Die aktuelle Publikation von Prof. Dr. Lennart Freyth widmet sich einer bislang erstaunlich unbeantworteten Frage im Kontext der Nutzung von Dating-Apps: Wer geht tatsächlich auf Verabredungen – und wer hat im Anschluss daran sexuelle Kontakte?
Beweggründe der Studie
Ausgehend von einer längerfristigen Auseinandersetzung mit theoretischen Grundlagen der Social-Media- und App-Nutzung entstand das Desiderat, das Offensichtlichste hinsichtlich App-basiertem Dating zu untersuchen: Was passiert nach dem Swipen und Chatten?
Zentrale Befunde
Personen mit einem eher schnelllebigen Lebensstil nutzen Dating-Apps nicht nur häufiger, sondern berichten auch über mehr Dates und sexuelle Kontakte. Erwartungsgemäß gaben psychopathische sowie soziosexuell orientierte Männer (d. h. Männer mit einer höheren Tendenz zu unverbindlichem Dating) an, häufiger Tinder-Sex zu haben. Überraschend hingegen war das Ergebnis, dass Frauen mit niedrigeren Ansprüchen und höherer Zufriedenheit ebenfalls mehr Tinder-Sex berichteten. Eine völlig neue Perspektive eröffnet schließlich die Analogie von Dating-Apps als digital leks – also digitale Brutplätze –, die kurzfristige Paarungsstrategien erleichtern.
Forschungsdesign
Die Studie ist in der Persönlichkeitspsychologie verortet, einem Forschungsgebiet, das untersucht, wie individuelle Unterschiede das Verhalten in unterschiedlichen Kontexten prägen. Ziel ist es, theoretisch fundierte Erklärungen für Verhaltensweisen und Einstellungen zu liefern, auch im Bereich digitaler Medien.
Für die Untersuchung wurde eine repräsentative Stichprobe befragt. Aufgrund des sehr privaten und vertraulichen Themas konnten keine Beobachtungsstudien oder Experimente durchgeführt werden. Die Arbeit ist Teil einer breiteren Forschungsreihe, die neben Befragungen auch Tracking-Methoden und variierende Fragetypen einsetzt.
Überraschende Erkenntnisse
Prof. Dr. Freyth fasst den vielleicht wichtigsten und zugleich provokantesten Befund in einem Zitat zusammen:
„If dating apps reflect a digital lek, they may lower the societal cost of sex for the first time in human history.“
(übersetzt: Wenn Dating-Apps einen digitalen Brutplatz darstellen, könnten sie erstmals in der Menschheitsgeschichte die gesellschaftlichen Kosten von Sex senken.)
Publikationsprozess und gesellschaftliche Relevanz
Die Publikation versteht sich nicht nur als empirischer Beitrag, sondern auch als Beispiel für die Herausforderungen im wissenschaftlichen Publikationsprozess. Der Artikel durchlief insgesamt neun Review-Runden, ehe der Herausgeber die Bedeutung des Themas anerkannte und einer sofortigen Veröffentlichung zustimmte. Damit wird deutlich: Forschung zu gesellschaftsrelevanten, sensiblen Themen ist selbst im wissenschaftlichen Begutachtungsprozess nicht frei von Wertungen.
Weiterführende Links
- Originalpublikation: Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking
- Bericht New York Post: Link
- Bericht Daily Mail: Link
- Bericht PsyPost: Link
- Bericht VICE: Link
- Bericht Unilad: Link
- Bericht Yahoo: Link
- Bericht Futurism: Link
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