Osteoporose gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im höheren Lebensalter und führt durch den schleichenden Verlust der Knochendichte zu instabilen Knochen und einem erhöhten Risiko für (sturzbedingte) Frakturen. Besonders Hüft-, Wirbelkörper- und Unterarmfrakturen sind mit erheblichen Einschränkungen der Selbstständigkeit, Schmerzen und erhöhtem Pflegebedarf verbunden. Angesichts der älter werdenden Gesellschaft nimmt die Zahl der Betroffenen stetig zu, sodass Prävention, Früherkennung und eine wirksame Bewegungstherapie von zentraler gesundheitspolitischer Bedeutung sind. Evidenzbasierte Trainingsprogramme können helfen, Knochen zu stärken, Stürze zu vermeiden und die Lebensqualität der Patient*innen nachhaltig zu verbessern.
An der HSD wurde nun eine US-amerikanische physiotherapeutische Leitlinie zur Behandlung von Menschen mit Osteoporose in den deutschen Versorgungskontext übertragen und auf Basis aktueller internationaler Empfehlungen adaptiert. Unter der Leitung von Prof. Dr. Tobias Braun war ein Projektteam der Sektion Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Physiotherapiewissenschaft (DGPTW) an der Übersetzung, der methodischen Anpassung und der Implementierung beteiligt. Die Absolventin des Bachelorstudiengangs Angewandte Therapiewissenschaften, Maxime Hermans, hat im Rahmen des Projekts ihre Bachelorarbeit geschrieben und maßgeblich zum Erfolg der Adaptation der Leitlinie beigetragen.
Das Adaptationsprojekt der neuen physiotherapeutischen Osteoporose-Leitlinie wurde in enger Kooperation mit den Originalautor*innen der APTA-Leitlinie um Gregory Hartley und Keith Avin (University of Miami, Florida bzw. Indiana University, Indianapolis) durchgeführt. In einem kontinuierlichen Austausch mit dem US-amerikanischen Entwicklerteam wurde sichergestellt, dass die deutsche Version die wissenschaftliche Qualität und Validität der Originalleitlinie wahrt.
Darauf aufbauend entwickelte die HSD-Absolventin Lia Hahn in ihrer Bachelorarbeit eine praxisnahe Schulung zur neuen Osteoporose-Leitlinie, die speziell für Mitarbeitende ambulanter physiotherapeutischer Einrichtungen konzipiert wurde. Die Schulung kombiniert kompakte Theorie zu Osteoporose und Leitlinienempfehlungen mit fallbasierten Gruppenarbeiten und übertragbaren Übungsbeispielen für den klinischen Alltag. Die Evaluation dieser Schulung in zwei Physiotherapiepraxen zeigte eine sehr hohe Akzeptanz: Die Teilnehmenden bewerteten Verständlichkeit, Praxisnähe und Relevanz der Inhalte durchweg positiv und berichteten von einem deutlichen subjektiven Wissenszuwachs. Zudem gaben sie an, die Leitlinienempfehlungen künftig verstärkt in der Behandlung von Patient*innen mit Osteoporose berücksichtigen zu wollen, was ein wichtiges Signal für die Implementierung evidenzbasierter Bewegungsinterventionen darstellt.
Die Ergebnisse der Evaluation wurden nun in der Fachzeitschrift „pt – Zeitschrift für Physiotherapeuten“ veröffentlicht und unterstreichen, dass strukturierte Schulungen ein wirkungsvoller Baustein zur Leitlinienimplementierung in der Physiotherapie sind. Damit leistet die HSD einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der leitlinienorientierten Versorgung von Menschen mit Osteoporose sowie zur Stärkung der evidenzbasierten Praxis im Gesundheitswesen.
Hier ist der kostenlose Download der Physiotherapie-Leitlinie für die klinische Versorgung.
Hier finden Sie den Artikel “Bewegung für stabile Knochen” in der pt – Zeitschrift für Physiotherapeuten (mit Abonnement).













